10.02.2010
Ich will Mobilität ermöglichen
Beim Besuch bei AL-KO spricht sich Bundesverkehrsminister Ramsauer für eine praxisnahe Umsetzung der EU-Führerscheinrichtline aus – Südbahn zwischen Ulm und Lindau soll ausgebaut werden.

​Offen für die Anliegen der Caravan- und Reisemobilbranche hat sich Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer bei seinem heutigen Besuch im Hause AL-KO in Kötz gezeigt. Bei der Liberalisierung des EU-Führerscheinrechts in Bezug auf das Fahrzeuggespann-Gewicht will er die Bestimmungen für die Erlaubnis zum Fahren mit Anhänger praktikabel und praxisnah umsetzen und so insbesondere jüngeren Menschen den Einstieg in die Caravaning-Welt erleichtern. “Wir wollen Interessenten an Caravan-Gespannen nicht verschrecken, sondern gewinnen. Ich will Mobilität ermöglichen und nicht durch bürokratische Prüfungserfordernisse verhindern”, betonte Ramsauer vor zahlreichen Medienvertretern der Tages- und Fachpresse. Er setzt darauf, den Menschen einerseits größtmögliche individuelle Freiheit zu gewähren und sie andererseits gleichzeitig zu interessieren für mehr Sicherheit, mehr Training und dadurch auch mehr Fähigkeit, ein solches Fahrzeug zu bewegen. Die Politik stehe hier in einem Abwägungsprozess zwischen den notwendigen Sicherheitserfordernissen und den mit Ängsten verbundenen Hürden einer zusätzlichen Schulung mit Prüfungserfordernissen. Beides solle vernünftig miteinander verbunden werden, Gespräche hierzu seien bereits am Laufen. “Wir sind hier auf einem recht pragmatischen Weg”, so Ramsauer.

Neben der EU-Führerscheinregelung standen beim internen Branchengespräch mit den AL-KO Vorständen auch Themen rund um die Verkehrssicherheit und Elektromobilität sowie neueste Innovationen auf dem Programm. “Ich habe heute mit AL-KO ein Unternehmen kennengelernt, welches man in jeder Hinsicht als hervorragend, wegweisend und vorbildlich bezeichnen kann”, sagte der Bundesverkehrsminister. “Mich freut es, wenn ein solches Unternehmen mit Optimismus in die Zukunft blickt.” Hier zeige sich erneut, was er in vielen Familienunternehmen, gerade in Bayern, immer wieder sehe: Der Mittelstand sei global vernetzt – im Falle von AL-KO mit weltweit 50 Standorten, in zukunftsorientierter Technologie. “Ich habe einige Aufgaben und Denkanstöße mitgenommen, die wir weiter verfolgen werden, gerade auch im Hinblick auf Sicherheitsfragen, Bremsentechnik sowie das Verhältnis zwischen Führerscheinbefähigung und Gespann-Gesamtgewichte. Besuche dieser Art dienen auch der eigenen Wissensauffrischung.” Diesbezüglich dankte er Dr. Georg Nüßlein, wirtschafts- und technologiepolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe und Abgeordneter des Bundeswahlkreises Neu-Ulm/Günzburg, der diese Begegnung erst ermöglicht habe. Mit ihm habe die Region einen starken Partner in Berlin, so Ramsauer.

Nüßlein: “Für uns ist es wichtig zu sehen, wie kleine politische Entscheidungen, wie beispielsweise im Bereich des Führerscheinrechts, sich auswirken auf mittelständische Unternehmen – wie hier bei AL-KO.” Deshalb ist es uns immer daran gelegen, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass ein Unternehmen sich auch so entwickeln kann, wie es erfreulicherweise AL-KO als größter gewerblicher Arbeitgeber im Landkreis Günzburg seit vielen Jahrzehnten vormacht.”

Gute Nachrichten hatte Bundesverkehrsminister Ramsauer, der am Nachmittag dem offiziellen Auftakt der Bauarbeiten für das Bahnprojekt Stuttgart 21 beiwohnte, noch für den Ausbau bzw. die Ertüchtigung der Südbahn zwischen Ulm und Lindau im Gepäck. Vehement dementierte er Meldungen, wonach dieses Projekt auf der Streichliste der Deutschen Bahn stehe. “Diese Streichliste gibt es nicht. Das ist Unfug”, sagte Ramsauer. Wie jedes andere Unternehmen habe auch die Deutsche Bahn gewisse Vorhaben-Listen. Manche Investitionen seien vollfinanziert, bei anderen müsse man sich noch um die Finanzierung kümmern. Letzteres sei hier der Fall. Ramsauer betonte mehrfach, dass an einer Realisierung des Projekts festgehalten werde. “Wir haben bei der Deutschen Bahn genaue Bedarfspläne. Und an die halten wir uns.”

AL-KO Vorstandssprecher Roland Kober dankte dem Bundesverkehrsminister und dem Bundeswahlkreisabgeordneten für ihren Besuch. “Wir fühlen uns sehr geehrt”, betonte er. Anschließend informierte er kurz über die wirtschaftliche Situation des Konzerns. Als großer Lieferant der Caravan- und Reisemobil-Branche sei auch AL-KO im vergangenen Jahr von der Krise nicht ganz unberührt gewesen. “Aber wir sind 2009 ganz gut über die Runden gekommen, weil wir frühzeitig Maßnahmen eingeleitet haben. Als traditionsreiches Familienunternehmen sind wir langfristig orientiert. Und die gute Eigenkapitalquote sorgt für finanzielle Stabilität.” Für 2010 zeigte sich Roland Kober optimistisch, auch wenn derzeit keine weitreichenden Prognosen möglich seien: “”Das Jahr hat für uns gut begonnen, wir sind seit Jahresbeginn gut ausgelastet – in Kleinkötz wie auch in der AMC-Chassis-Fertigung in Ettenbeuren.” Hinzu kämen neue Produkte, unter anderem das Caravan-Rangiersystem AL-KO AMS MAMMUT, das sich großer Nachfrage erfreue, und die Vier-Kreis-Vollluftfederung AL-KO AIR PREMIUM X4. “Auch hier erwarten wir uns heuer noch einiges”, sagte Roland Kober.