Neumayer III, Antarktis

Neumayer III, Antarktis

Lüftungsanlage von AL-KO versorgt Antarktis Forschungsstation Neumayer III

Komplette Technik als „Plug & Play“-Lösung vor Transport in Container eingehaust

Nach der offiziellen Eröffnung Ende Februar, die weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat, ist auf der Antarktis-Forschungsstation „Neumayer III“ wieder Ruhe eingekehrt. Die letzten Labore werden eingerichtet, die Bewohner bereiten sich und ihr Zuhause auf die kommenden neun kalten und langen Wintermonate vor. Alles läuft nach Plan - genauso wie die AL-KO Lüftungsanlage, die ihre Feuertaufe am Südpol erfolgreich bestanden hat. Die aufwendige Klimatechnik, die am Produktionsstandort Jettingen-Scheppach in einzelnen Modulen als „Plug & Play“-Lösung komplett vorgefertigt wurde, hat alle Erwartungen erfüllt. Und nach wie vor verrichtet sie ihren Dienst ohne Zwischenfälle – und das bei widrigsten äußeren Bedingungen.

Die besondere Herausforderung an die Lüftungs- und Klimatechnik für die Station „Neumayer III“ des Alfred-Wegener-Institutes (AWI) bestand für die Spezialisten von AL-KO im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit, die Nutzung vorhandener thermischer Abwärme bereits erwärmter Raumeinheiten und vor allem in Bezug auf die die kompakte Bauweise. Die Vorgabe: Bei Außentemperaturen von bis zu – 48 Grad Celsius sollen stets konstante 22 Grad Celsius im Inneren der Station gehalten werden. Und: Im Schutzzelt, das die gesamte Station umgibt, hat ein Temperaturniveau von mindestens 5 Grad Celsius vorzuherrschen, um das Gebäude frostfrei zu halten.

Bereits in Bremerhaven wurden sämtliche Komponenten, die zum kompletten schlüsselfertigen Bau des Stahlgebäudes notwendig waren, zusammengetragen. Die Bandbreite reichte von Arbeits- und Wohnräumen sowie Laboren bis hin zu den technischen Einrichtungen. Auch die entsprechenden Werkzeuge und Geräte für Anschluss- und Installationsarbeiten waren entsprechend in Containern - jeder etwa sechs Meter lang und zwei Meter breit - verpackt. So wurden insgesamt rund 120 Container zusammengestellt, die dann später mit Pistenraupen über das ewige Eis bis zum neuen Standort der „Neumayer III“ zu transportieren waren. Diese Baukastenthematik setzt in sich geschlossene Containerkonzepte voraus, beziehungsweise bedingt steckerfertige Lieferung. Insgesamt waren sechs Zentrallüftung- bzw. Klimageräte zur Versorgung des Gebäudes geplant, wobei einige Sonderarbeiten nötig waren: Der Auftrag beinhaltete, die gesamte Zentralklimatechnik in Container „einzuhausen“ sowie lieferfertig und steckerfertig ab Werk bereit zu stellen. Dazu wurden am Produktionsstandort Jettingen-Scheppach die Container angeliefert, in welche die Zentralklimatechnik unterzubringen war. Die Lösung: Die Klimatechnik wurde so konzipiert, dass sie im Wesentlichen aus einem Hüllenklimagerät, zwei Umluftgeräten, zwei Geräten zur Klimatisierung der Wohnräume und Labore sowie einem Klimagerät in flacher Ausführung für die Werkstatträume besteht.

Aufgabe für AL-KO war es auch, dafür zu sorgen, dass die Abluft bereits erwärmter Gebäudeeinheiten  sorgfältig genutzt wird, um mit möglichst geringem Primärenergieeinsatz alle Gebäudeteile auf das vorgegebene Temperaturniveau zu bringen. Beispielsweise sollte die bereits vorhandene Wärmeenergie aus dem so genannten „Dieselraum“ teilweise zur Erwärmung der übrigen Räume sowie die Außenhülle über der Station verwendet werden. Da das Zu- und Abluftgerät zur Klimatisierung der Wohnräume und Labore im Container übereinander angeordnet waren, konnte die Energierückgewinnung über einen sogenannten Sorptions-Rotor erfolgen. Auch hier war es Maßgabe, die Wärmeenergie so weit wie möglich zu nutzen. Erreicht wird dies durch die Ventilatoren, die durchweg einen Systemwirkungsgrad von rund  90 Prozent ausweisen. Und nicht nur das: Für ein zuträgliches Humanklima in den Wohn- und Arbeitsräumen war es zudem notwendig, eine Kontaktbefeuchter-Einheit in die Zuluft-Anlage zu installieren - mit Hilfe des Sorptions-Rotors wird hier weitere Energie zur Befeuchtung gespart, indem ein Anteil der vorhandenen Luftfeuchte aus der Abluft der Zuluft zugeführt wird.

Die neue Station „Neumayer III“ soll etwa 30 Jahre bestehen. Ein Betrieb über diesen Zeitraum hinaus wird trotz ausgeklügelter Hydraulik aufgrund der Schnee- und Eismassen wohl kaum erreichbar sein. Nach der Dauer der Nutzung werden die einzelnen Container quasi in umgekehrter Vorgehensweise demontiert und somit restlos aus der Antarktis verschwinden.

 

 

 

Fotos: Alfred Wegener Institut, Bremerhaven