21.01.2018
Spätfrost - die verheerende Gefahr im Frühjahr

Wenn sich Pflanzen in der Winterruhe befinden, kann Frost, also Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, diesen nichts anhaben. Sobald aber die Vegetation im Frühjahr wieder einsetzt und Spätfrost droht, können einige Pflanzen oder Pflanzenteile Frostschäden erleiden und im schlimmsten Fall absterben. Aber, wie erkennt man nun eine Wetterlage, die Spätfrost begünstigt? Gibt es besonders gefährdete Bereiche und Pflanzen im Garten? Und, wie schützt man seine Pflanzen vor Frostschäden im Frühjahr?

Was ist Spätfrost?

Im gesamten Winterhalbjahr von Mitte Oktober bis Mitte April kann Frost auftreten. Kommt es zu Frostereignissen in der Zeit von April bis etwa Anfang Juni spricht der Meteorologe von Spätfrost. Spätfrostgefahr besteht an sonnigen, warmen Frühjahrstagen, an denen in der Nacht weder Wolken noch Nebel eine "wärmende Decke" bilden und Windstille herrscht. Dann kann die tagsüber im Boden gespeicherte Wärme ungehindert aufsteigen, wodurch die Temperaturen in Bodennähe rasant unter den Gefrierpunkt sinken. Durch den fehlenden Wind können die schweren, kalten Luftmassen nicht abtransportiert oder mit wärmeren Luftschichten ausgetauscht werden. Im Laufe der Nacht kühlt es so immer weiter ab, meistens werden erst kurz nach Sonnenaufgang die Tiefsttemperaturen erreicht, die zu den eigentlichen Frostschäden führen.

Welche Bereiche im Garten sind spätfrostgefährdet?

Geografische Gegebenheiten können die Spätfrostgefährdung einer Lage erhöhen. So sind Mulden und Täler stark gefährdet, da kalte Luftmassen nach unten abfließen und sich hier stauen (Kaltluftsee, Raureifbildung). Auch offene Flächen, wie Rasen oder Wiesen, sind spätfrostgefährdet, da hier keine Bäume oder Sträucher das Aufsteigen der Warmluft verhindern. In der Regel stellen dichte Hecken und Mauern einen guten Schutz vor einfließender Kaltluft dar und sorgen für ein deutlich milderes Mikroklima im geschützten Gartenbereich. Nur, wenn ein Garten auf einem abschüssigen Gelände liegt und eine geschlossene Einfriedung diesen nach unten hin abschließt, kommt es im Garten zum Kaltluftstau, wodurch die Spätfrostgefahr steigt. Hinweis: Frostschäden durch Spätfrost entstehen zwar bei windstillem Wetter, trotzdem sollten für frostempfindliche Pflanzen exponierte Lagen mit Ostwindeinfluss vermieden werden.

Welche Pflanzen neigen zu Frostschäden?

​Heimische Pflanzen vertragen problemlos Spätfrost. Gefährdet sind vor allem Pflanzen, die aus wärmeren Gebieten stammen, wie Fächerahorn, Kamelien oder Magnolien. Auch viele früh blühende Obstsorten, frühe Kartoffelsorten, Spargel, Gemüsejungpflanzen und andere Sämlinge sind spätfrostgefährdet. Frosthärte und Standortansprüche sollten daher vor dem Pflanzenkauf beachtet und entsprechend robuste Sorten gewählt werden.

Mit welchen Maßnahmen können Frostschäden verhindert werden?

Die früher einsetzende Vegetation erhöht die Wahrscheinlichkeit von Frostschäden durch Spätfrost, der trotz milderer Winter im Frühjahr immer (wieder) auftreten kann. Während der Winterruhe sind Pflanzen durch spezielle Mechanismen und teils eigene "Frostschutzmittel" vor Frostschäden geschützt. Sobald das Pflanzenwachstum beginnt, verlieren Pflanzen diesen natürlichen Schutz. Wenn zu dieser Zeit Spätfrost eintritt, kommt es an den jungen Trieben und Blüten zu Frostschäden. Bei Weinreben beispielsweise können Temperaturen von unter minus drei Grad Celsius zum Absterben führen.

In der Forstwirtschaft werden in gefährdeten Lagen spätfrostempfindliche Baumarten in lockere Bestände von widerstandsfähigen Gehölzen, wie Birke, Pappel oder Kiefer, gepflanzt. Die Baumkronen wirken hier wie eine "Decke" und verhindern, dass Warmluft aufsteigt. In der Landwirtschaft werden verschiedene Verfahren einzeln oder kombiniert angewendet, wie die Frostschutzberegnung, um Blüten und Früchte vor Frostschäden zu schützen. Auch die Erwärmung von Obstplantagen und die Umwälzung der Luftschichten sind gebräuchlich. Daneben werden frostgefährdete Pflanzen in Frühbeete gesetzt oder isolierend mit Stroh, Tannenreisig, Vlies, Folie (Tunnel oder Dächer) oder mit einer mehrschichtigen Kombination daraus abgedeckt. Diese Verfahrensweise ist auch im Garten ratsam. Darüber hinaus speichern gut mit Wasser versorgte Böden tagsüber mehr Wärme, wodurch die bodennahen Luftschichten nachts langsamer abkühlen, weshalb bei Spätfrostgefahr ausreichend bewässert werden sollte.