02.03.2016
Ein schwerer Fall: Darf man einen Baum im eigenen Garten einfach so fällen?

Man sollte annehmen, dass der eigene Garten ein Ort ist, den man beliebig gestalten kann. Doch beim eigenen Baumbestand ist eine Grenze gesetzt. Wächst dieser zu stark in die Höhe oder zur Seite? Fühlen sich eventuell Ihre Nachbarn gestört, oder planen Sie eine Umstrukturierung Ihres Gartens? Ist der Baum krank? Auch wenn Sie diese Fragen mit „ja“ beantworten können, ist das noch kein Freifahrtschein, Bäume im eigenen Garten ohne Erlaubnis zu fällen oder zuzuschneiden. Es gibt nationale Gesetze sowie kommunale Regelungen, die es besonders zu beachten gilt. Aber auch die Jahreszeit spielt in diesem Fall eine wesentliche Rolle. Das bedeutet für Sie als Gartenbesitzer, dass Sie einen Baum besser nicht ohne amtliche Genehmigung fällen, da es sonst Ärger mit den Behörden geben kann. Nicht nur das: Es drohen satte Geldbußen von bis zu 50.000 Euro. Deshalb haben wir für Sie die wichtigsten Fakten zusammengetragen, auf was Sie vor dem Bäume fällen achten müssen.

Was sagt das Gesetz?

Rund um das Thema Bäume fällen gelten gesetzliche Regelungen. Leider ist die  Baumschutzverordnung bundesweit nicht einheitlich. Machen Sie sich deshalb bei Ihrer Gemeindeverwaltung sachkundig, ob Sie zur Säge greifen dürfen oder nicht. Die meisten Städte und Gemeinden haben eine sogenannte Baumschutzverordnung erlassen. Unter diese fallen, je nach Bundesland, verschiedene Baumarten, die nicht gefällt werden dürfen. Genauso variiert die Baumgröße – diese kann die jeweilige Naturschutzbehörde nach eigenem Ermessen festlegen. So erfasst die Baumschutzverordnung in manchen Bundesländern Bäume mit einem Stammumfang ab 60 Zentimetern, in anderen wiederum erst ab 80 Zentimetern. Wissen Sie nicht, zu welcher Behörde Sie gehen müssen? Dann entnehmen Sie der Grafik, auf welchem Amt Sie Ihren Antrag zum Bäume fällen stellen müssen.

Darf man Bäume das gesamte Jahr über fällen oder zuschneiden?

Beim Zeitpunkt gilt allgemein, dass der Schutz von Pflanzen und Tieren bzw. Vögeln innerhalb der Vegetationszeit und der Nist- bzw. Brutzeit Vorrang hat. Somit darf ein Baum nur im Spätherbst und im Winter gefällt werden. Aber auch hier müssen Sie sich selbst informieren, da sich die genauen Kalenderzeiten von Kommune zu Kommune unterscheiden. Sollte der Baum als Naturdenkmal gelten und Sie fällen diesen, können Sie nach  § 304 StGB eine hohe Geldbuße  oder sogar eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren erhalten.

 

Welche Abstände zum Nachbarn müssen grundsätzlich bei Bäumen eingehalten werden?

Es gibt bestimmte Abstände zum Nachbargrundstück, die bei der Pflanzung von Bäumen eingehalten werden müssen. Der erforderliche Grenzabstand richtet sich nach der Höhe des Baumes. Ist der Baum bis zu zwei Meter hoch, so beträgt der notwendige Abstand mindestens 50 Zentimeter von der Grenze. Ist er höher als zwei Meter bzw. soll er höher als zwei Meter werden, so muss dieser auch mindestens zwei bis vier Meter von der Grenze entfernt gepflanzt sein – abhängig von den Nachbarrechtsgesetzen des jeweiligen Bundeslandes oder der Baumschutzsatzung. Wird der Abstand unterschritten, kann eine Fällung des Baums verlangt werden. Warten Sie damit nicht zu lange, da dieser Anspruch fünf Jahre nach Pflanzung des Baums verjährt.

 

Was muss ich beachten, wenn ich meinen Baum „nur“ zuschneiden möchte?

Grundsätzlich gilt: Genehmigungspflichtig sind Rückschnittmaßnahmen (Baumveränderung), wenn an geschützten Gehölzen Eingriffe vorgenommen werden, die das charakteristische Aussehen verändern (z.B. starke Kronenreduzierung, Kappung, einseitige Ausastung), das weitere Wachstum behindern oder das Gehölz in seiner Gesundheit schädigen können. Genehmigungsfrei sind geringfügige Rückschnitte im Feinastbereich.

Kann ich Bäume ohne Vorkenntnisse fällen?

Theoretisch ist das Fällen von Bäumen recht einfach, doch in der Praxis ist höchste Vorsicht geboten. Grundsätzlich sind für Arbeiten mit der Motorsäge die entsprechenden Kenntnisse notwendig. Für die eigene Sicherheit wird zudem empfohlen, dass man zuvor einen Motorsägenführerschein und den Lehrgang "Arbeitssicherheit Baum 1" absolviert. Auch das Wetter, wie z.B. plötzlich auftretende Windböen, kann zu einem hohen Sicherheitsrisiko werden. Daher empfehlen wir, dass Sie im Zweifel professionelle Hilfe zum Fällen des Baumes in Anspruch nehmen sollten.

 

Alles rund um das Thema Kettensäge erfahren Sie hier: http://www.al-ko.com/de/garden/news/2016/das-motorsaegen-abc-tipps-zum-sicheren-arbeiten-mit-der-kettensaege
Unter www.al-ko.com/garten finden Sie und Ihre Helfer die passenden Geräte rund um die Gartenarbeit.


Quelle Bild mit Kohlmeise: NABU, Foto: Frank Hecker, Projekt: Stunde der Gartenvögel.