19.10.2018
Vom Baum direkt in Pfanne und Topf – tolle Rezepte mit Esskastanien

Winter wird’s und zahlreiche Weihnachtsmärkte locken wieder mit ihren Leckereien: Glühwein, Christstollen, Bratwürste und natürlich geröstete, heiße Maronen! Die essbaren Edelkastanien, nicht zu verwechseln mit den bei uns verbreiteten, ungenießbaren Rosskastanien, sind ein traditioneller Leckerbissen in der kalten Jahreszeit. Ende September erreichen die Früchte ihre Vollreife und fallen uns von den Bäumen entgegen – das Zeichen für den vielseitigen Schlemmerbeginn. Denn das nussig-aromatische Fruchtfleisch mundet nicht nur als leckerer Weihnachtsmarktsnack, sondern schmeckt auch als cremige Suppe, herzhafte Beilage oder süßer Abschluss.     

1. Der Klassiker: Maronen rösten

Sie verspüren Lust auf geröstete Maronen, wollen aber ihre kuschelig-warmen vier Wände nicht verlassen? Dann bereiten Sie den leckeren Snack doch einfach selber in Ihrer Küche zu. Profis greifen auf Kastanienpfannen mit Löchern zurück. Durch die Öffnungen bekommen die Schalen der Maronen kleine Brandlöcher, aus denen Luft entweichen kann. So verhindern Sie ein explosionsartiges Zerplatzen und außerdem lassen sich die fertigen Kastanien leichter schälen. Wer keine Spezialpfanne besitzt, ritzt die Maronen vor dem Rösten einfach kreuzweise ein. Damit die Maronen einheitlich gar werden, achten Sie darauf, möglichst gleichgroße Früchte zu verwenden. Die vorbereiteten Kastanien schieben Sie nun bei 180 bis 200 Grad für ca. 15 Minuten in den Backofen. Von Zeit zu Zeit sollten Sie die Esskastanien wenden und mit etwas Wasser besprenkeln. Verfärben sich die Schalen und platzen sie auf, ist alles für den Genuss bereit. Legen Sie die heißen Maronen vor dem Schälen in ein feuchtes Tuch. So lässt sich das Fruchtfleisch spielend aus der Schale und der bitteren Samenhaut befreien. Guten Appetit! Wichtig: Vor jedem Verzehr oder der Weiterverarbeitung der Edelkastanien müssen diese entweder geröstet oder für 15 Minuten in Salzwasser gekocht werden. Ihr herrlich nussig-süßliches Aroma entwickeln die Maronen nämlich erst beim Garen.

2. Cremiger Genuss: Maronensuppe

Winterzeit ist Maronen- und Suppenzeit. Was liegt also näher, als die beiden Jahreszeitenspezialitäten in einem Rezept zu vereinen. Für etwa vier Portionen des wärmenden Genusses benötigt man 400 g gegarte, geschälte und gehackte Maronen. Zunächst werden drei kleine, fein geschnittene Zwiebeln in 100 g Butter glasig angeschwitzt. Zu diesen geben Sie die Esskastanien und gießen 750 ml Gemüsefond hinzu. Lassen Sie das Ganze bei geringer Hitze für etwa 30 Minuten köcheln. Dann geht’s ans Verfeinern. Schön cremig wird es mit 350 ml Sahne und 125 ml Milch. Nach weiteren 5 Minuten Köcheln wird die Suppe püriert. Zum Schluss geben etwas Salz und wer möchte eine Prise Zucker sowie Zimt den letzten Schliff.     

3. Herzhafte Beilage: Maronenpüree

Der Gänsebraten schmort im Ofen, der Rosenkohl kommt bissfest aus dem Topf und der obligatorische Kartoffelknödel wartet im Wasser. Sie denken sich, wie langweilig? Dann ersetzen Sie zur Abwechslung den klassischen Knödel ganz einfach durch ein pfiffiges Maronenpüree. Lassen Sie hierfür 1 EL Zucker in 20 g Butter karamellisieren und glasieren Sie darin für 2-3 Minuten 500 g gegarte und geschälte Maronen unter ständigem Rühren. Anschließend wird 125 ml Gemüsebrühe und 100 ml Milch hinzugegossen. Nach 5 Minuten Köcheln kommt der (Stab-)Mixer zum Einsatz. Schmecken Sie die Masse mit Salz, schwarzem Pfeffer und Muskat ab. Jetzt kommt der besondere Clou: Vermengen Sie 125 ml geschlagene Sahne mit 2 cl trockenem Marsala oder für eine alkoholfreie Variante mit Apfelsaft und heben Sie die Mischung unter den Maronenbrei. Schon ist das raffinierte Maronenpüree fertig.   

Übrigens: Wer beim Festtagsmahl nicht vollständig auf seine geliebte Kartoffel verzichten will, kann das Maronenpüree mit Kartoffelbrei mischen.

4. Süßer Abschluss: Vermicelle („Würmchen“)

Zu einem perfekten Dinner gehört ein süßes Dessert. Eine fantastische Variante mit Esskastanien liefern unsere Nachbarn aus der Schweiz: Vermicelle. Als Erstes kochen Sie 450 ml Milch für die „Würmchen“ auf. Hinzu kommen 600 g gekochte und geschälte Maronen, die bei kleiner Flamme ca. 15 Minuten in der köchelnden Milch baden. Währenddessen wird aus 300 ml Wasser, 6 EL Zucker und dem Mark einer halben Vanilleschote eine aromatisierte Zuckerlösung hergestellt. Für den sogenannten Läuterzucker lassen Sie die genannten Zutaten etwa 15 Minuten köcheln, bis eine Art Sirup entsteht. Pürieren Sie nun die Kastanien-Milch und fügen Sie den heißen Sirup hinzu. Et voilà: Die Vermicelle-Masse ist fertig. Stilecht und damit das Gericht auch seinen Namen verdient, benötigen Sie zum Abschluss noch eine Vermicelle- bzw. eine Kartoffelpresse. Durch diese wird die Grundmasse zu kleinen „Würmchen“ auf Teller oder als Topping auf Kuchen gedrückt. Sahne, Vanilleeis oder Baiser können je nach Gusto als Extra dazu serviert werden.      

Experten-Tipp: Maronen finden Sie im gut sortierten Supermarkt. Achten Sie auf eine glänzende Schale als Frischebeweis. Noch viel besser schmecken die Rezepte aber natürlich mit Esskastanien aus dem eigenen Garten :-) . Die notwendigen Gartengeräte für einen stolzen Kastanienbaum gibt es unter anderem hier.